Mission Alpendurchquerung Oktober 2012 - Die Dunkle Seite der Berge (Viele Fotos ganz unten)

Einflugroute über den Traunsee - trotz Wolken geht es hier weit ins Massiv hinein....

Die Remos ist beladen mit Gepäck für eine Woche Urlaub. Es soll wie jedes Jahr im Oktober nach Slowenien gehen, auch wenn die Wettervorhersagen für Süddeutschland und die Alpen nicht schön sind. Das Wetter wurde bereits schon ausführlich beobachtet. Im Norden schön und im Süden schlecht. Das reicht aber nicht aus. Ich kann hier auf besseres Wetter warten oder erstmal Richtung Süden fliegen. Also los…

Am Montag, den 01.Oktober 2012 bei fast wolkenlosem Himmel und etwa 14 Grad lasse ich den Motor an und geht es mit Kurs Richtung Bayern. Neben mir Flugkarten mit einem markierten Kurs von fast 2 Metern. Montag ist der Luftraum ruhig, westlich des Erzgebirges erscheinen die ersten Wolken und auch ein paar kleine schwache Schauer.

Ich erreiche in FL 55 den Bayerischen Wald und es ist schon fast bedeckt, die Sicht verschlechtert sich auf vielleicht 20km. In Flugrichtung entdecke ich nun aber eine scheinbar aufliegende graue undurchdringliche Wolkenwand, sehr möglich, dass es hier nicht mehr weiter geht. Ich schaue auf der Karte nach für diesen Vorfall ausgesuchten Flugplätzen. Arnbruck Frequenz vorgerastet und Flugplatzdaten sind schon auf dem Knie. Ich muss nun weiter sinken, um nicht in die Wolken über dem Bayerischen Wald zu kommen. Beim Sinken sehe ich aber, dass es in Flugrichtung doch noch weiter geht. Ich habe 1000 Fuss über Grund und 4000 Fuss MSL über diesem Mittelgebirge. Den möglichen Landeplatz lasse ich noch an mir vorbei ziehen. Nun sehe ich vor mir das Donautal, ich könnte weiter sinken, die vor mir erst scheinbar aufliegende Wolkendecke befindet sich in ausreichender Höhe über dem 1000Fuss hohen Donautal und stößt nur an den über 3500 Fuss hohen Bayerischen Wald an. Das Terrain unter mir fällt also um 2000 Fuss. Ich fliege zwischen den Höhen hindurch, sinke immer mit Sicht weiter in das Tal auf 2300 Fuss. Flachland wieder unter dem Bauch und es kann weiter gehen. Ein Blick nach hinten zeigt nun die Berge des Bayerischen Waldes in Graue Wolken gehüllt. Kaum zu Glauben, daraus gekommen zu sein.. Dass es dahinter besser ist, weiß nur ich.

Nun sind schon wieder die nächsten Flugplätze wie zum Beispiel Deggendorf vorbereit, um bei Wetterverschlechterung landen zu können. Das eigentliche Ziel, welches ich auch vorher angerufen hatte, war Fürstenzell bei Passau: Hier wollte ich auftanken und kurz Pause machen bzw. auf besseres Wetter warten.

Nun nahm aber die Sicht dramatisch ab. Von 20km auf 10km. Ich flog in 1000 Fuss über Grund die Donau weiter. Als die Sicht auf 5km abnahm und es noch dunkler wurde, beschloss ich in Vilshofen zu landen. Frequenz und Flugplatzinfos sind bereit. Funkverkehr fand bereits statt, ich hörte hinein. Nahe Vilshofen jedoch verbesserte sich die Sicht und ich konnte bis Passau sehen. So beschloss ich, den Weg nach Fürstenzell, dem eigentlichen ersten Ziel fortzusetzen. Schließlich war EDMF auch in Sicht und ich bereitete mich auf die Landung vor. Die Platzrundenhöhe hatte ich ja fast schon. Die Alpen habe ich mir in diesem Moment erst einmal für heute aus dem Kopf geschlagen. 500m Piste erscheinen im Endanflug optisch doch sehr lang, wenn die Piste nur 10m breit ist. Das Gefühl der Länge ändert sich beim Aufsetzen…

Ein herrlicher kleiner gemütlicher Platz mit Mogas-Tankstelle, Kneipe und toller Aussicht auf einer Anhöhe. Der Platzwart ist extra wegen meiner Ankündigung raus gekommen.

„Oalso hait in die Berg broachst goarnit zu versuchn“ sagte er zu mir. Ich schaute gen Süden und hatte vielleicht 10km Sicht, die Luft war fast Windstill und es war bedeckt. Ich beobachtete noch mal das Wetter. Vor-Alpen „Mike“, Alpen „X-Ray“.

Na wenigstens noch nach Österreich rüber. Ich rief in Ried (LOLK) an, welches nur ca 30km südlicher lag. Das Wetter schien ähnlich wie hier.

Ich beschloss einen eigenen Rundflug Richtung Alpen zu machen und anschließend auf dem Rückweg in Ried zu landen und dort zu übernachten.

Wieder in der Luft zog Ried in sicherer erreichbarer Entfernung an mir vorbei. Ich überflog den Hausruck, 4000Fuss über Grund konnte ich erreichen, die Wolken stiegen mit dem Gelände. Sicht geradeaus etwa 8km, Berge sind erst recht spät zu sehen. Da ich diese von mir schon oft benutzte Einflugroute kannte, flog ich diese weiter. Diese Route geht bis auf weiteres nur über Seen und deren breite Täler, so dass das Gelände mit Sicherheit nicht weiter ansteigt. Ich überflog den Attersee, das Tal weiter bis Bad Ischl. Wolkenuntergrenze 3800 Fuss, Flughöhe etwa 100 Fuss darunter, ist ok, da Luftraum G, Grundhöhe ca. 1500Fuss, also ausreichend sichere Höhe. Sicht nun etwas besser, vielleicht 10km, aber ganz leichter Sprühregen. Insgesamt aber einer ruhige jedoch bedeckte Wetterlage. Jetzt wachsen ringsherum die Berge. Über Bad Ischl schaute ich weiter ins Tal, die Sicht wurde besser, der nächste See schon in Sichtweite, also ging es auch noch ein Stückchen weiter. Überall hier im Tal waren sehr gute Wiesen für den Fall einer Landung zu sehen und der Weg zurück war offen und konnte aufgrund der Wetterlage sich auch nicht verschließen: Ich habe keinen Bergrücken überflogen, wo sich ein Risiko des Gefangenseins im Tal ergeben könnte. Nun bin ich am Hallstätter See angelangt. Die Sicht ist gut, jedoch ist es unheimlich hier: In Flugrichtung graue steile schroffe

Felswände, die senkrecht in den tiefen Wolken verschwinden, sie sind das Fundament des 10.000 Fuss hohen Dachsteins. Es scheint, dass alle Berge rings um den großen langgezogenen See steil und senkrecht in die Wolken klimmen. Wie die Felswände steil oben in den Wolken verschwinden, so verschwinden sie genau so steil unten im Wasser. Das Wasser ist fast schwarz, wie ein S-förmiger Tunnel, unten Wasser, links und rechts Felswände, oben Wolken – wie unheimlich! Ich drehe einen Kreis über diesem See. Abwechselnd blicke ich in das Tal zurück und in das westliche Tal Richtung dem ersten kleine Pass, welcher ca. 200 Fuss unter den Wolken zu liegen scheint. Es gibt noch einen weiteren Weg, östlich aus dem See-Tal hinaus, jedoch kenne ich diesen Weg nicht, das Tal ist eng und sehr dunkel. Ich genieße noch einen Moment diese Stimmung hier, während die Entscheidung schon fest steht: Ich kehre um! Ich fliege wieder raus! Ich bin weit gekommen, mich hetzt nichts, von hier geht’s immer zurück. Das Pässe überfliegen verschiebe ich auf morgen…

Ich steuere also wieder so zurück, wie ich hinein geflogen bin, Richtung Ried, schaue aber nach Flugplätzen in der Nähe – wenn ich schon mal bis hier gekommen bin. Ich hatte ja auch die Option, am Heimatflugplatz auf besseres Alpenwetter warten zu können. Aber wo, wenn nicht hier vor Ort. Es gibt hier den Platz Gmunden (LOLU) am Traunsee im Totengebirge. Es heißt wirklich so und es passt zur Stimmung: Es ist alles „tot“ – keinen Gleitschirmflieger, keine Drachenflieger, kein Funkkontakt, eigentlich kein anderes Fluggerät – nur ich ganz alleine hier im Dunkel der Berge. Der Weg über den Traunsee geht genau so sicher hinaus wie über den Attersee. Es ist so, als verlässt man ein riesen großes Gebäude und geht sicher, keine Stufen mehr hinauf gehen zu müssen.

Jedoch wird es jetzt unheimlicher, die Wolken werden dunkler, es wird später Nachmittag und die Wolkenuntergrenze sinkt einfach mal so um fast 1000 Fuss. Jetzt über einen Pass oder Bergrücken geflogen, so wäre man im Tal dahinter „gefangen“.

Aber ich hatte schon Kontakt mit Gmunden und den Platz in Sicht. Die Piste – auch wieder nur 500m – hat nach Westen hin ein Gefälle. Bis 7 Knoten Westwind wird mit Rückenwind 08 gelandet, ab 8 Konten Westwind kann 26 gelandet werden. Ich hatte die 26 bei abschwächenden Wind – beim Gefälle abfangen ist interessant, das Aufsetzen kann sich unendlich verzögern.

Der Platz ist herrlich, freundlicher Empfang und eine sehr schöne Umgebung – leider ist der Traunstein (5548 Fuss) nicht zu sehen. Der Ort Gmunden direkt am Traunsee ist mit dem Taxi (15 Euro) zu erreichen. Das Gasthaus „Zum Steinmauerer“ ist sehr zu empfehlen. Schöne preiswerte Zimmer, sehr gute heimische Küche, direkt am See und nur 5 bis 10min zu Fuss ins Zentrum Gmunden.

Bei einbrechender Dunkelheit erkunde ich kurz den Ort mit Sparziergang am See und erfreue mich beim Abendmahl (Rostbraten) über das Geschaffte und die ‚Gesamtsituation an sich’.

Das Wetter versprach für morgen keine Besserung. An der Adria jedoch sollten es über 25 sonnige Grad werden. In den frühen Morgenstunden höre ich im Halbschlaf das Plätschern des Regenwassers draußen, schalte den Wecker gleich wieder aus und drehe mich noch mal ordentlich um.

Nun wache ich richtig auf und erkenne, dass das Plätschern nur ein Brunnen im Hof des Hotels ist – mehr nicht. Gardine auf, draußen ist es hell. Zwar bedeckt, aber die Wolken sind wesentlich höher als gestern. Plötzliche Aufbruchstimmung!

Beim Frühstück studiere ich das Wetter, vielleicht komme ich ja doch bis zum nächsten Ziel, nach LOKN, Nötsch im Gailtal, in den Süsalpen, an der slowenischen Grenze – mein nächster Zwischenstop zwecks Aufgabe Flugplan, Tanken usw.

Gafor sagt Alpen „Mike“ und Hochalpen „X-Ray“ – wie gestern. Aber hier in Gmunden sind über 20km Sicht, Wolken 5000 Fuss und kaum Wind. Ich beschloss, noch bis zum frühen Mittag zu warten. Nun wird es heller, fast kommt Sonne durch. Doch im selben Moment wird es von Westen her dunkler. Ich sehe auf dem Niederschlagsradar, dass es ein Regengebiet gibt, welches schon Salzburg (70km westlich) erreicht hat.

Jetzt beschloss ich zu starten. Eine Woche hier oder woanders.

Nun in der Luft befand ich mich auf der gestrigen Ausflugroute – nur wieder Alpeneinwärts! Schnell erreichte ich den Hallstätter See, wo ich gestern umgekehrt bin. Hier geht es heute weiter, ich überfliege den Pass Gschütt – das heißt noch gar nichts – der ist nur 3200 Fuss MSL hoch. Nun befinde ich mich im nächsten Tal – ich fliege meine Route weiter Richtung Alpenhauptlkamm-Pässe, jedoch mit einem Auge zum nächsten Flugplatz Niederöblarn (LOGO). Auch wenn viele Wolken im Tal zusätzliche unter der Hauptwolkendecke umherschwirren, so kann ich diesen Platz sicher erreichen. Er liegt 2140 Fuss MSL, im breiten Tal, in meinem Tal, mit Pensionen in der Nähe – also alles gut! Frequenz gerastet, Funk reingehört, aber Einflug ins Tal bei Radstadt zum Tauernpass Gamskarlspass (5700Fuss MSL), welchen ich schon die letzten Male oft überflogen habe. Ein „paar Fuss“ mehr sind schon notwendig, da dort auch Hochspannungsleitungen sind und man ja sowieso eine gewisse Höhe über Grund einhalten sollte. Jedoch war schon vor dem Pass das Tal „zu“, in 5.500 Fuss berührte ich die Wolken, was noch unter Passhöhe war. Also umkehren, dieses Einflugtal nach Norden zurück und wieder hinnein in das Haupttal, wo auch mein angedachter und bereits vorbereiteter Flugplatz liegt. Die Enns fließt hier übrigens entlang.

Weiter fliege ich Richtung Osten nach Niederöblarn, der Platz ist in Sicht, das Tal zum Pass für die 2. Change aber auch – dem Sölkpass. Er ist 5867 Fuss MSL hoch – jedoch weiter entfernt von der aus Westen kommenden Regenfront. Mit dem „sicheren“ Flugplatz im Rücken fliege ich auch in dieses Tal ein, welches weiter ansteigt. Ich bilde mir ein, einen Hauch Sonne am Ende des Tals zu sehen und fliege weiter. Ich bin bei 6000 Fuss – also schon über Passhöhe und habe auch den Pass in Sicht. Doch leider ist er bedeckt. Nur direkt am Pass kommt ein Sonnenstrahl – ja ein Lichtblick hindurch. Man spürt direkt, wie das schönere Wetter dahinter wartet. Man kann aber nicht hinüber sehen. Mit dem sichern Blick zurück in freie Tal fliege ich bis an den Pass heran. Es kann hier nicht passieren, dass Wetter ist ruhig und „langsam“. Ich sehe nun die Straßen Serpentine, die sich bis an den von der anderen Seite mit Sonnenlicht beschienen Nebel hinaufschrauben.

Gut das man im UL sitzt. Noch einmal schauen und jetzt aber eine nicht zu zaghafte Umkehrkurve. Und schon geht’s im selben Tal zurück Richtung „Sicheren Flugplatz“. Ich nehme Kontakt auf mit LOGO, die haben offen, Platz in Sicht und ich habe noch sehr viel Sprit im Tank – und Motivation in mir. Daher geht es noch ein paar Meilen Richtung Osten, was ich dem Platz auch mitteile. „Landung vielleicht später – ich fliege noch ein wenig Richtung Osten“.

Ich ereiche nun den Flugplatz Trieben (LOGI) im gleichen Tal. Hier sehe ich, noch bevor ich die Frequenz dieses Platzes rasten konnte, dass im nächsten Tal Richtung Süden alles frei ist. Ich sage in LOGO Bescheid, dass ich nicht lande. Ich fliege ein Stück in dieses recht breiteTal (Rottenmanner Tauern, St. Johann Tal) und sehe die ersten Sonnenstrahlen. Die Sicht verbessert sich von 10 auf 40 km. Alle letzten Flugplätze werden jetzt aber schnell vom Kniebrett gestrichen. Zeltweg Kontrollzone bleibt links liegen, ich schalte die Frequenz auf Mayerhofen (LOKM) und Friesach (LOKH) die nächsten Plätze, falls etwas mit dem Wetter oder dem Flieger sein sollte. Schon jetzt könnte ich aufgrund der Flughöhe den Platz im Gleitflug erreichen.

Es ist im Hochgebirge immer sehr schön, einen zu erreichenden Flugplatz in Sicht zu haben, so hat man ein Ziel, ein „Heim“, wenn es mal nicht weitergeht. Das ist sehr wichtig für mich.

Kurz das Prozedere in der jeweiligen Platz-Nähe:

Ich merke mir bei Sicht den Platz in der Art seiner Lage und optischen Merkmalen in der Nähe. Die Platzhöhe wird sich eingeprägt und mit der momentanen Flughöhe verglichen. (GPS) Somit ist die Höhe über den Platz ersichtlich. Die Frequenz ist bereits geschaltet. Die Ausrichtung der Bahn und die Platzrunde sind ebenfalls verinnerlicht. Bei weiterer Entfernung merke ich mir die höchsten überflogenen Geländemerkmale zwecks sicherer Rückkehr. So kann dieser nahe Platz wie ein vertrauter Platz akut angeflogen werden.

Das Wetter und die Sichtbedingungen lassen weiteres Fliegen Richtung Süden zu. Ich muss aber Kontakt mit Klagenfurt Tower aufnehmen, da gerade hier doch noch mal viele Wolken sind und ich lieber unterhalb 6/8 Bewölkung fliegen möchte – jedoch zum Preis Rein in CTR Klagenfurt. Die sind aber so nett und lassen mich durch, durch den Nordwest-Bereich der Kontrollzone Klagenfurt. Nach Verlassen der CTR komme ich gut gen Westen voran zu meinem Ziel LOKN (Nötsch). Wörthersee zu meiner Rechten, schließlich direkt über Villach, bin ich dann im langen Endanflug auf LOKN Piste 27. Schon im Landeanflug erfreut über das Erreichte denke ich über den Weiterflug gen Süden nach. Aber erst mal runter und Pause…

Der Flugplatz Nötsch im Gailtal ist ein besonderes Ausflugsziel, er liegt nur 1800 Fuss MSL, genügende Grasspiste, Benzin vorhanden, Unterkünfte in der Nähe. Kärnten – was für einer Region! Allein das hier ist ein Ziel!

 

Nun wird am Computer des Flugplatzes ordentlich nach dem Wetter geschaut. Hier im weitem Tal scheint die Sonne, viel blauer Himmel, jedoch aus Westen kommende Wolken schieben sich in die Gipfel genau der Berge, wo ich durch möchte.

Allgemein sind auch bei dieser Wetterlage die Täler sonnig und die Berge wolkenverhangen.

Die letzte Etappe nach Süden führt mich durch die Jülicher Alpen, westlich an den Karawanken vorbei. Die Berge, die im Süden zu sehen sind, befinden sich schon in Slowenien.

Die Wetterlage: Insgesamt ruhig und schwach windig, jedoch kein besonders hoher Luftdruck (1015). Ein Regengebiet, ein paar schwach ausgeprägte Schauerzellen, welche von West nach Ost über eben dieses Berge wollen. Leichte Föhnwirkungen sind angesagt. Also Bergketten sind daher an der Ostseite freier – während die Westseite Wolken haben könnte. Das Wetter am Zielort LJPZ ist schön sonnig und ruhig.

Der Flugweg geht gleich zuerst hoch zum Werschetz-Pass (5.300 Fuss), der ersten und einzigen Hürde zum Ziel.

Daher beschloss ich Folgendes: Ich fliege einfach mal bis ran an den Pass und schaue mir die Angelegenheit aus der Nähe an. Im Rücken habe ich das Gailtal mit Schönwetter-Sicherheit und den auf meine Rückkehr wartenden Flugplatzbetreiber, welcher ca. 30min warten würde. Vorsichtshalber habe ich aber den Flugplan aufgegeben, getankt und alles Gepäck eingeladen.

Ich starte am späten Nachmittag in Richtung 09 – es ist fast windstill. Der Flugplan wird über Wien Information 124,4 geöffnet. Ich kann ja immer noch landen, anrufen und canceln. Schon herrscht wieder Funkstille und ich komme den schroffen Bergen sehr nahe. Sehr viele Wolken tummeln sich hier herum. Fast weiße und auch dunkelgraue Wolken versuchen möglichst viele Berge zu ergreifen. Der Pass wird sichtbar, er selbst ist frei von Wolken, jedoch dahinter ist eine graue Wand, scheinbar kommen hier doch ordentliche Schauer herüber. Natürlich werde ich hier umkehren. Ich sehe zurück, hinter mir alles frei mit Blick zum Tal des sonnen beschienen Startflugplatzes. Unter mir Berge und 4/8 Wolken und über mir auch 4/8 Wolken. Rechts auch. Die Luft ist ruhig. Die Wetterentwicklung geht recht langsam voran.

Da keine Gefahr besteht und ich trotz der scheinbar bedrohlichen Wolken gute Flugsicht hatte, beschloss ich, bis an den Pass ran zufliegen. Da ich hier schon etliche Male lang geflogen bin, mich hier also schon ein wenig auskenne, getraue ich mir das. Wäre ich das erste mal ins Gebirge geflogen, so hätte ich gleich nach dem Start eine 180 Grad Kurve zur Landung gemacht – oder ich wäre beim Anblick der in Flugrichtung liegenden Berge und Wolken gleich zu einer Pension gegangen. Zu Fuss.

Nun bin ich in über 6.000 Fuss Flughöhe über dem Pass. Überall Geröll und schroffe Felswände, alles sehr nahe. (1000 Fuss Abstand ist für mich und die Art der Umgebung äußerst nahe.) Alles sehr grau, uneinladend und dunkel. Auch die Schauerwand ist recht nahe, die will auch über den Pass. Erste Tröpfchen sind auf den Fenstern der Remos. Hier fällt mir wieder ein, dass ich den Luftraum nicht für mich alleine habe. Der Luftraum besteht hier zu 70% aus Stein und Fels. 30% bleiben für die Wolken, das Wettergeschehen und für mich.

Nun fliege ich einen Kreis zum Umkehren. In weiterer Flugrichtung über den Pass kann ich aber nun durch diese Schauerwand hindurch schauen! Ich sehe dahinter sonnen beschienende Berge und Horizontlinien. Also kann der Regen nicht stark sein, wie auch vorhergesagt. Ich habe auch noch das Wetter Radar vor Augen. Schwach bis Mäßig und von geringer Ausdehnung, Im Lee auflösend. Hinter dem Pass fällt das Gelände des Tals stark ab, ich kann dann auf 3000 Fuss MSL sinken und so bis zum Ziel fliegen. Es handelt sich dann um das bekannte und bei Paddlern und Raftig-Fans beliebte Soca-Tal. Dieses Tal hat sogar einen Flugplatz namens Bovic, welcher 1.400 Fuss MSL liegt.

Jetzt beschloss ich ernsthaft, weiter zu fliegen. Den Pass habe ich überquert, ein letzter Blick nach hinten, noch sehe ich Sonne und Teile des Tales, aus welchem ich gestartet bin. Dieser Blick schwindet nun, ich schaue nach vorn. Es fängt nun doch kurz gefühlt fürchterlich an zu regnen während ich auf 4.000 Fuss MSL sinke. Es geht weiter im Tal während Regentropfen haufenweise die Kabinenhabe hochkrabbeln. Nun gibt es kein Zurück mehr, der Flugplatz Bovic liegt ein paar Meilen vor mir. Bei weiterem schlechten Wetter würde ich dort auf jedem Fall landen. Es ist schon sehr aufregend: In Flugrichtung keine Sicht, weil Regen auf der Scheibe, links und rechts steile schroffe Bergwände, welchen ich nicht zu nahe kommen möchte. Da ich das Tal kenne, ich hier schon mit Flieger und Mietwagen gewesen bin, und ich 2 GPS Geräte zur Hilfe habe, weiß ich, wie ich fliegen muss. Wenn ich hier noch nie gewesen wäre, so würde es auch mit jeder Technik keine Freude machen. Wenn ein technisches Gerät sagt, dass hier das Tal weitergeht, ist das was anderes, als wenn ich selbst hier schon war, und weiß das dass Gerät die Wahrheit sagt. Inzwischen ist das Tal auch 1 bis 2km breit. Ein beherzter Tritt ins Seitenruder ermöglicht auch einen guten Blick durch das Seitenfenster nach vorn.

Der Regen hat nun aufgehört, als wenn jemand diesen mittels Schalter abstellte. Der Flugplatz Bovic ist in Sicht. Ich könnte hier bleiben, ich habe Urlaub, Bergwandern usw. Aber es geht weiter. Die Sicht ist jetzt sehr gut. Das gesamte Soca Tal ist im Lee, was zu erwarten war. Trotzdem, die Frequenz von Bovic bleibt gerastet. Bei Ljubljana Information ist hier in dieser Flughöhe sowieso niemand zu erreichen.

Über die Bergkämme in Westrichtung wollen die tiefen Wolken hinüber. Es scheint, als wollen sie hinüber klettern, sie greifen bildlich über den Kamm, schaffen aber den Schwung hinüber nicht… Andererseits erscheint es, als wollen lauter weiße Hände von der anderen Seite den Bergrücken festhalten.

Langsam weichen die Berge zurück, die Sicht verbessert sich auf 50km, nur rechts von mir sind noch ein paar „unangenehme Wettererscheinungen“. Nun habe ich auch Kontakt mit Ljubljana Information. Auch schön, wieder jemanden im Funk zu hören. Ich fühlte mich zwischen diesen Bergen bei dem Wetter doch unglaublich allein – aber auch genau das war auch wiederum unglaublich wunderschön.

Nun war ich frohen Mutes – das Geschaffte im Rücken und noch 30 Minuten bis an die Adria. Jedoch war es im Westen immer noch sehr dunkel. Auch ein paar Blitze waren nun Richtung Trieste in Italien zu sehen. Nun gut, ich hatte Landemöglichkeiten in der Nähe: Novo Gorica und Ajdovscina. Jedoch war das Wetter auf meinem weiteren Weg recht gut. Das letzte Stück hatte ich eine herrliche Sicht auf das kleine Unwetter in Italien aus sicherer Entfernung und auf 1/8 Wolken unter mir, die nun herrlich von der Abendsonne beschienen wurden.

Schließlich kontaktierte ich Portoroz Approach. Ich fliege jetzt direkt in die untergehende Sonne hinein. Herrlich. Was für Eindrücke. Sonnenbrille hilft kaum. Kaum Erdsicht vor lauter Sonne. Unten war es aufgrund einiger Wolken aber dunkel und schattig. Von vorn das gleißende Sonnenlicht. Seltsame Mischung aus Dunkel und Hell. Diesmal alles ganz einfach. „Next Report Airfield in sight“ und dann „right base RW 33“.

Ich konnte den Platz aufgrund der Sonne erst im Queranflug sehen. „Wind Calm, RW 33 Clear to land“ Im Endanflug versinkt die Sonne in der Adria, was für ein Film.

(Ich krieg einen Hals – muss mich aber auf das Landen konzentrieren!)

Wie jedes Mal ein ‚Moped-Follow-Me’ inclusive freundlichen Personal. Die Remos wird festgezurrt, und die Taschen entladen. Es ist fast wolkenlos, windstill und warm. Beim Service erwartet mich ein Slipovice, das bekannte und heimische Aufwärm- und Begrüßungsgetränk hier am Platz. Ich erzählte vom Wetter in den Bergen und bekomme noch einen Zweiten – schließlich habe ich was geleistet und muss nicht mehr fliegen und auch nicht mehr fahren.

Das Taxi (etwa 15-20 Euro) bringt mich ins Hotel, welches zwischen Portoroz und Piran liegt. Es befindet sich unmittelbar am Wasser und ich fühle mich gleich sehr wohl – wie jedes Jahr hier.

Wenig später sitze ich in Piran in einer der vielen Guten Lokale direkt an der Adria und genieße sehr guten frisch gebratenen Fisch bei hervorragenden Wein. Die Gäste sind fröhlich, es ist immer noch warm, es riecht nach Meer und ich denke über meinen Flugweg nach. War das alles wirklich richtig so? Wenn ich ganz vernünftig wäre, würde ich zu hause sitzen oder zumindest in Bayern oder Österreich. Aber ich bin hier. Bin ich nun unvernünftig? Das wird mir niemand sagen können, denn nur ich alleine war dabei.

Insgesamt habe ich mich in den Bergen aber wohl und sicher gefühlt. Ein unsicheres Gefühl habe ich eher auf der Stadtautobahn in Berlin.

 

Genau während meines Aufenthalts findet hier im Nebenhotelkomplex eine bekannte Präsentations Ausstellung statt, mit Feier, Disco und so weiter. Ich bin da zufällig hinein geraten und feiere mit. Ich betrachte das als meine persönliche Willkommensparty. Nur weiß das nur ich.

 

Am Folgetag genieße ich einen Tag am Strand. Es gibt hier nur Steinstrände, dafür ist das Wasser aber sehr klar.

Heute am 03.10.2012 – erst jetzt merke ich, dass es ein Feiertag ist – aber nicht hier – scheint die Sonne bei wolkenlosem Himmel und 25 Grad. Das Wasser bietet immerhin noch 22 Grad. Zu Hause muss ich beide Werte halbieren!

 

Es folgen noch viele schöne Urlaubstage – viele verbringe ich am Strand mit Schwimmen, Ruhe, Genuss und allem was hier möglich ist, und einen Tag verbrachte ich mit einem Tagesausflug mit der Remos nach Kroatien. Zwar nicht weit, aber immerhin konnte ich noch 1 Grad Wassertemperatur herausholen und 2 Grad Lufttemperatur steigern.

(Hierzu aber mehr in einem weiteren Bericht.)

 

Von allen meinen bisher insgesamt 21. Alpendurchquerungen war diese die Intensivste, Interessanteste, Lehrreichstes und Persönlichste.

Mit dem Persönlichen meine ich, das es sich um eine Sache zwischen Mir und den Bergen handelte.

 

 

 

Bilder Teil 1

Bilder Teil 2